Offenes Frühstück mit Hilfsangebot

Carolin Wirtgen (l.), Vivien Musik (M.) und Ferhan Isfen (r.) haben das Frauenfrühstück und die offene Sprechstunde im Degerfeld ermöglicht. Damit ist für Frauen ein niedrigschwelliges Angebot für Hilfe bei häuslicher Gewalt geschaffen. © Sophie Röder

Von: Sophie Röder  Butzbacher Zeitung

20.05.2026

 

Einmal im Monat können sich Frauen im Treffpunkt Degerfeld zum gemeinsamen Frühstück treffen. Dort haben sie die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen oder sich einfach mit Freundinnen zu verabreden. Doch nicht nur das: Parallel dazu findet im Haus eine offene Sprechstunde für von Gewalt betroffene Frauen statt.

Butzbach – Kaffee, Tee und Wasser stehen bereit. Brot, Brötchen, Belag oder was sonst gern zum Frühstück verzehrt wird, bringen die Besucherinnen des Frauenfrühstücks im Treffpunkt Degerfeld selbst mit. In lockerer Atmosphäre tauschen sich die Frauen über alles Mögliche aus. So wurde beim vergangenen Frühstück über die Rezepte des kulinarischen Abends im Quartier gesprochen.

Das von der Gemeinwesenarbeit der Stadt Butzbach organisierte Frauenfrühstück findet einmal im Monat statt und ermöglicht Frauen, sich regelmäßig zu treffen. Doch nicht nur das: Wer das Frauenfrühstück besucht, hat die Möglichkeit, die offene Beratungssprechstunde für von Gewalt betroffene Frauen zu besuchen. Diese findet zeitgleich statt.

Das Angebot ist eine Kooperation der Gemeinwesenarbeit und des Vereins Frauen helfen Frauen Wetterau (FHFW). Die Idee dazu hatten Vivien Musik, Sozialpädagogin bei Frauen helfen Frauen, und Carolin Wirtgen von der Gemeinwesenarbeit.

Im vergangenen Sommer habe die Beratungsstelle in Friedberg vermehrt Anfragen aus dem Degerfeld erhalten, wie Musik berichtet. „Für viele der Frauen war es ein Thema, wie sie mit dem Kind von Butzbach nach Friedberg kommen können.“ Doch Musik wusste von der Gemeinwesenarbeit und hat Kontakt zu Wirtgen aufgenommen, um ein niedrigschwelliges Beratungsangebot direkt in Butzbach zu ermöglichen.

„Es war meine Idee, das Frauenfrühstück mit dem Beratungsangebot zu verknüpfen“, sagt Wirtgen. So können die Frauen das Frühstück besuchen und von dort zur Beratung in die geschützten Räumlichkeiten im Haus gehen – ohne Termin. „Die Idee ist echt gut. So kommen die Frauen auch in Kontakt mit Frauen, die sich hier auskennen“, sagt Musik. Und für die Kinder gibt es vor Ort einen Spielplatz.

Das Angebot gibt es seit Oktober. Das Frauenfrühstück ist meist gut besucht. So kommen zehn, zwölf Frauen – teilweise mit Kindern – aus der Nachbarschaft. Das Beratungsangebot haben bisher zwei Frauen angenommen.

Beratung im anderen Raum

Bei Beratungsgesprächen wird den Frauen erklärt, welche Möglichkeiten sie haben. Von den Wegen zu den verschiedenen Hilfesystemen bis zu den Rechten der Frauen allgemein. Wie das Recht auf ein eigenes Konto oder die Tatsache, arbeiten gehen zu dürfen. „Das ist vielen Frauen nicht bewusst“, sagt Ferhan Isfen, Leiterin der Beratungsstelle. Oder auch die Tatsache, dass die Frauen Schläge anzeigen dürfen. Wirtgen sagt: „Viele wissen nicht, dass die Polizei den Mann wegschicken kann.“ Musik ergänzt: „Es ist immer der erste Schritt, die Frauen über ihre Rechte zu informieren.“

Zusätzlich zur Beratung bietet FHFW den Betroffenen an, sie zum Arzt, zur Polizei oder zu Jugendämtern, wenn Kinder involviert sind, zu begleiten. Oder entsprechende Kontakte zu vermitteln, um ein Kontaktverbot zu vermitteln. „Im Ernstfall helfen wir auch bei der Flucht in ein Frauenhaus“, sagt Isfen. Die Beratungsstelle mache alles, was zur Unterstützung nötig sei.

„Es ist wichtig, immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, wer wir sind und was wir machen“, sagt Musik. Damit Frauen in Notsituationen auch wissen, wo sie sich hinwenden können. Dabei hilft auch das Frauenfrühstück. Durch Flyer und die Aufmerksamkeit für das neue Angebot haben sich wieder mehr Frauen an die Beratungsstelle in Friedberg gewandt.

Hilfe bei häuslicher Gewalt

Zudem war häusliche Gewalt und wie man Betroffenen helfen kann bei den ersten Treffen des Frauenfrühstücks Thema. Zur Beratung können nicht nur Betroffene gehen, sondern auch Frauen, die den Verdacht haben, dass in ihrem Umfeld jemand von häuslicher Gewalt betroffen ist.

Um zu helfen, gibt es mehrere Möglichkeiten. In der Nachbarschaft kann man die Betroffenen in einer alltäglichen Situation ansprechen, Hilfe anbieten, wie das Begleiten zu einer Beratungsstelle, oder einen Flyer überreichen. „Zum Beispiel beim Müllherunterbringen oder Wäscheaufhängen, wenn der Täter nicht dabei ist“, sagt Isfen.

Auch in akuten Situationen können Nachbarn helfen: „Man kann unter einem Vorwand klingeln und fragen: ‚Habt ihr Mehl?‘ oder ein Ei oder Ähnliches“, sagt die Leiterin. Dies könne die Situation unterbrechen. „Sollte es in so einem Fall eskalieren: sofort die Polizei rufen“, sagt Isfen.

Ob zur Beratung, um sich bei Kaffee oder Tee mit anderen auszutauschen oder um Kontakte zu knüpfen: Am Donnerstag, 21. Mai, können interessierte Frauen das Frühstück im Treffpunkt Degerfeld oder die Beratungssprechstunde besuchen. Die Türen stehen offen.

Termine

Das Frauenfrühstück Mitbring-Buffet sowie eine offene Beratung für gewaltbetroffene Frauen durch die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen Wetterau“ finden einmal im Monat in Butzbach statt. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Die Beratung findet von 9.30 bis 11.30 Uhr im Treffpunkt Degerfeld in der John-F.-Kennedy-Straße 63 im geschützten Rahmen statt. Die Beratung kann anonym erfolgen. Die nächsten Termine sind Donnerstag, 21. Mai, Donnerstag, 18. Juni, Mittwoch, 29. Juli, und Mittwoch, 26. August.

Die Beratungsstelle in Friedberg ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr zu erreichen unter der Telefonnummer 06031/1 66 77 3.

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